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Jaakko Johannsen

Jaakko Johannsen
Lehrtrainer
isb GmbH

„Die Welt hat nur eine Seite, und zwar die andere.”
– Karl Hejny

"Auf einen Espresso" mit Jaakko Johannsen

Thorsten Veith und Johannsen sprechen bei einem Espresso über :

https://www.youtube.com/watch?v=mmg6hZw37gE

Wissenswertes für Jaakko Johannsen

  Diplom-Psychologe (Arbeits-, Betriebs- & Organisationspsychologie TU Berlin & TU Budapest)

2015-2016

Arbeiten mit dem Züricher Ressourcen Modell (ZRM)

2015

Solution Focused Feedback Zertifizierung (system worx Institut)

2010

Capacity Works – Train-the-Trainer-Ausbildung der Dt. Ges. für internationale Zusammenarbeit (ehem. GTZ)

2009

MasterProgramm am isb

2008-2009

„Systemisches Coaching und Teamentwicklung II“ am isb

2002–2004

Weiterbildung „Systemische Therapie und Beratung: Integrativ-systemisches Arbeiten mit Familien, Paaren, Einzelnen und anderen sozialen Systemen“ Münchner Familien Kolleg

2001

„Seelische Bilder und berufliche Wirklichkeiten“ am isb
Seit 2012 Lehrtrainer am isb 
2007-2009 Assoziierter Partner und Partner von Goll Consulting
seit 2006 Partner und Mitgründer der system worx GmbH
2002-2006 Management-Consultant und Projektleiter: Einführung eines weltweiten Knowledge-Management-Systems mit speziellem Fokus auf Communitys of Practice und internationalen Trainings (Siemens Business Services)
2001 Assistent des Bereichsvorstandes (Siemens Business Services)
1999-2001 HR-Consultant und Projektleiter: Schwerpunkt Kompetenzmanagement in einem internationalen IT-Dienstleistungsunternehmen (Siemens Business Services)
1996-1999 HR-Consultant: Schwerpunkt Organisationsentwicklung und Personalentwicklung in einem Produktionsbetrieb (Siemens AG Werk Berlin)
  • Führungskräfte-Entwicklungsprogramme
  • Kulturentwicklung & Kooperationsberatung
  • Beraterausbildung
  • Coaching

>>Zum Masterprofil von Jaakko Johannsen

"Ich verstehe mich als trainierender Berater oder als beratender Trainer. Das ergänzt sich. Wenn ich Trainings mache, habe ich auch immer den Beratungsansatz dabei: Wie kriege ich jeden einzelnen besser? Und wenn ich berate, denke ich gleichzeitig mit, wo hat es auch einen edukativen Effekt?"

 

Streiflichter


Jaakko Johannsen kommt aufgeräumt und guter Dinge aus dem 3. Baustein des Curriculums „Systemische Organisationsentwicklung und Change Management" in die Mittagspause zum Interview mit Jutta Werbelow. Die Gruppe macht ihm Freude, lachend erzählt er, wie sie schnell an seine Arbeitsweise und Arbeitskultur andocken konnten und gut gemeinsam ins Lernen kamen.

Teilnehmer der Bausteine schätzen seine Erfahrung und seine ruhige, manchmal zurückhaltende Art. Und genauso sitzt Jaakko im Interview, mit einer angenehmen, unprätentiösen Bescheidenheit und gleichzeitig einer verbindlichen Präsenz. Mit Bedacht und Ernsthaftigkeit antwortet er auf unsere Fragen und lässt immer wieder Persönliches durchtönen. Wir hören ihm gerne zu.

Ein Gespräch über seine Rolle und Berufung als Organisationsentwickler sowie Lehrtrainer, über Selbstorganisation und Wechselmodelle, über seine Auszeichnung beim Xing Event NWX19, über Lieblingsmodelle und über „Lösungsorientierung in der schönsten Reinkultur".

Das Gespräch im Überblick

Jaakko sprach mit Jutta über...

... seinen Lebensweg
... sein „Aha-Erlebnis" mit dem Systemischen
... seinen Weg ans isb
... seine Rollen als Lehrtrainer und Organisationsentwickler
... seine Kernthemen Selbstorganisation und Führung
... das isb als "Ver-Ortung"
... seinen Erfolg beim beim Xing New Work Event NWX19
... Lernfelder und Lieblingsmodelle
... das Buch für die Insel
... Konstanten in seinem Leben

Erzähl mir von Deinem Lebensweg. Und wie Du am isb gelandet bist.

Studiert habe ich Arbeits- und Organisationspsychologie, und nachdem ich ein Praktikum gemacht hatte, wo es um Mitarbeiterbefragungen ging, war mir da schon relativ schnell klar, dass ich in die Wirtschaft möchte. Das Thema und seine immense Vielfalt hatten mich sofort gefangen genommen, damit stand die Entscheidung fest. Ich machte im Studium zusätzlich ein Forschungspraktikum in der geschlossenen Psychiatrie. Ich fand, gerade wenn man in der Wirtschaft arbeitet, ist es wichtig, auch diesen Teil zu kennen und in diesem Feld ein bisschen Erfahrung zu haben. Ich arbeitete im Anschluss zehn Jahre in einem internationalen Großkonzern, in unterschiedlichen Rollen - Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, sowohl in der Produktion als auch im Dienstleistungsbereich, sowohl in der Zentrale als auch dezentral. Mir ist dort sehr viel Gutes widerfahren, ich habe sehr viel lernen und viel gute Führung erleben dürfen. Es gab aber auch den ein oder anderen Schlenker in meiner Biografie, wo sie nicht ganz so gradlinig verlaufen ist...

Schlenker? Heißt...

...berufliche Krisen. Wenn ich an Stellen gekommen bin, an denen ich gemerkt habe, dass ich mich zu weit von meinen Wurzeln entfernt habe; manche Themen und Bedürfnisse einfach nicht mehr gedeckt wurden und ich schauen musste, wie ich da rauskomme und dabei gesehen habe, was es mit einem in der Organisation macht, wenn man vielleicht nicht mehr auf dem „fast track" Label ist, sondern wenn einem sozusagen das unsichtbare Schildchen „aus dem kann mal was werden" oder „aus dem wird mal was" genommen ist. Ich habe so erlebt, was es auch für geschriebene oder ungeschriebene Gesetze in Organisationen gibt, die die Dinge erleichtern oder eben verhindern, dass sich Türen, die sich vorher auftaten, zubleiben. Das war eine spannende und lehrreiche Erfahrung, weil wir gewohnt sind zu denken, dass das alles von einem selbst abhängt. Und das stimmt eben nur zum Teil.

Dein „Aha-Erlebnis" mit dem Systemischen?

Das kam aus einer beruflichen Krise. Ich merkte, ich muss etwas für mich tun, etwas lernen, nicht nur eine kleine Weiterbildung oder einen Kurs machen. Ich machte eine dreijährige Familientherapie-Ausbildung nach Virginia Satir, systemisch-integrativ, am Münchner Familien-Kolleg. Es war mir wichtig, zu den Wurzeln zu gehen, wohl wissend, dass ich Übersetzungsarbeit leisten muss, wenn ich diesen Teil meiner Kompetenz in die Wirtschaftswelt einbringen will.

Wie kamst Du ans isb?

Auf unterschiedlichen Wegen. Markus Schwemmle hat hier prägende Erfahrungen gemacht und sagte zu mir als sendungsbewusster Botschafter in meinem Leben: „da musst du auch hin!". Zunächst belegte ich bei Bernd Schmid einen Kurs zum Thema „Seelische Leitbilder", einer der letzten Kurse, die er gemacht hat. Mit der Gründung von system worx haben wir für das isb das Netzwerk im Rahmen einer Webseitenaktualisierung umgezogen. Für uns war das ein Referenzprojekt, und ich habe dort das „Innenleben" des isb nochmal anders kennen gelernt.
Und das Dritte war, dass wir beim „Forum Humanum" zusammen gewirkt haben. Wir brachten dort das Humane in der Arbeitswelt gemeinwohlorientiert mit Symposien und anderen jährlichen Veranstaltungen auf die Bühne, um eine Community aufzubauen und am Leben zu halten. Später habe ich hier am isb das zweite Jahr „Coaching und Teamentwicklung" gemacht und danach den letzten Masterjahrgang mit Bernd. Danach wurde ich zum Lehrtrainer „berufen".

Du hast sehr nah an und mit Bernd gelernt, gearbeitet, entwickelt.

Ja, und das in unterschiedlichen Rollen: zuerst kurz in der lehrenden, dann ganz stark in der unternehmerischen Rolle und später, als ich als Lehrtrainer angefangen hatte, in der Rolle als Mentor und Supervisor im Hintergrund.

Was mich bei Bernd immer beeindruckt hat, mit welcher Klarheit in der Haltung er Themen vertreten hat und gleichzeitig immer eine große Offenheit hatte, sich allem zu stellen und die Dinge erst einmal anzuhören, zu würdigen und auch anzuerkennen.

Zu seinem 70. hab ich ihm geschrieben, dass ich seinen klar und sehr konsequent gelebten Konstruktivismus bewundere, ohne den Verfall der Beliebigkeit mit einem klaren moralischen Kompass. Das ist eine sehr angenehme Kombination.

Gab das isb den Anstoß, dass Du in die lehrende Rolle gehen wolltest? Neben Deiner Rolle als Organisationsentwickler?

Ich verstehe mich als trainierender Berater oder als beratender Trainer. Das ergänzt sich. Wenn ich Trainings mache, habe ich auch immer den Beratungsansatz dabei: Wie kriege ich jeden einzelnen besser? Wenn ich berate, denke ich gleichzeitig den edukativen Effekt mit. Es liegt für mich sehr nah beieinander, in der Beratung auch Lernumgebung mit zu inszenieren. Mein Vater war Professor für Kerntechnik und Wärmeübertragung an der TU Berlin, ich glaube, einen Teil innerer Berufung gab es familiär bedingt schon immer, etwas vermitteln zu wollen.

Seit wann bist Du Lehrtrainer? Und wie geht es Dir in und mit dieser Rolle?

2012 habe ich meinen ersten Baustein gemacht. Ich war zuerst im zweiten Jahr in „Systemischer Beratung" und bin dann relativ schnell in die „Systemische Organisationsentwicklung". Ich habe mich von Anfang an in der Rolle wohl gefühlt, ich habe nicht lange gebraucht, um das, was ich an Inhalten mitbringe, hier so zu

konfigurieren und anzubieten, dass es gut in die Bausteinlogik reinpasste. Ich habe sehr viel von Volker Köhninger gelernt, von dem ich viele Bausteine übernommen habe, bei dem ich hospitierte und immer die „Erlaubnis" hatte, es zu meinem eigenen zu machen.

Was zeichnet dich aus als Lehrtrainer?

Ich bekomme zurückgemeldet, dass ich eine große Ruhe ausstrahle, mich unaufgeregt den Themen nähere, dass ich eine Menge Erfahrung mitbringe und diese Erfahrung auch gerne zur Verfügung stelle, dass es mir ein Anliegen ist, Theorie und Praxis immer gut zu verbinden. Ich kann an manchen Stellen sehr gründlich sein, auch pedantisch gründlich. Was manchmal hilfreich ist, manchmal aber auch nicht.

An anderer Stelle mute ich Menschen die ganze Komplexität der Organisationsberatung schon in einer frühen Phase zu und zeige, dass es hier nicht einfach „Rezepte" gibt, sondern dass es darum geht, mit der Vielfalt und Vielschichtigkeit umgehen zu lernen und immer auch bewusste Entscheidungen zu treffen. Und dabei zu reflektieren, dass diese bewussten Entscheidungen immer so viel mit mir wie mit dem Klienten oder dem System zu tun haben, dass die nicht vom Himmel fallen, sondern dass ich genau hier als Berater sichtbar werde mit den Entscheidungen, die ich treffe.

Deine Kernthemen sind Selbstorganisation und Führung in der sich wandelnden Organisationswelt...

Ja, das ist, was mich aktuell beschäftigt und antreibt. Selbstorganisation ist ja nicht neu. Das ist schon immer Bestandteil jeglicher System-Denke. Meine Fragestellung ist, wie kann Selbstorganisation in der jetzigen Zeit gut eingeführt, verstärkt, verbessert werden, und wie kann sie so gestaltet werden, dass sie nicht zu einer Abwertung des Bestehenden führt? Wie kann ich eine Ko-Existenz, eine Gleichzeitigkeit, ein „Sowohl-als-auch" statt ein „Entweder-oder" vermitteln? Und ich glaube, dass es auch ganz bewährte Themen gibt, die einfach heißen: wie kann ich Organisationen so steuern, dass ich gut und frühzeitig und angemessen kommuniziere, dass ich wichtige Gruppen oder einzelne Schlüsselpersonen zu wichtigen Entscheidungen frühzeitig einbinde, dass Entscheidungen nicht vom Himmel fallen und dass ich im Nachhinein nicht überlegen muss, wie kriege ich die Leute wieder ins Boot. Ich glaube schon lange und immer noch daran, dass Organisationen, die das gut hinbekommen, mit Change Management relativ wenig am Hut haben. Sie brauchen es schlicht nicht. Denn die Organisation bewegt und entwickelt sich einfach kontinuierlich weiter.

Dann ist Veränderung der Alltag und nicht das Außergewöhnliche?

Genau. Oft hat sich jemand entfernt, und dann müssen die anderen wieder mitgenommen werden. Das heißt ja nur, dass etwas auseinander geraten ist, was im Alltag vielleicht mehr zusammengehört. Wenn es mir gelingt, in einem Projekt nicht nur das Projekt selbst zu machen, sondern Strukturen und Formate zu implementieren, die dauerhaft eine andere Art von Einbeziehung, Kommunikation und Entscheidungsfindung ermöglichen, hat auch das einen nachhaltigen Effekt.

Mit diesen Themen beschäftigst Du dich schon lange?

Ja. Die Rollen, die ich damals als Interner in der Organisation hatte, hießen Gesundheitsbeauftragter, Weiterbildungsbeauftragter, Personalentwickler, Skills Manager, Kompetenzmanager, Community Broker, Projektleiter, Trainer, Moderator, usw.; all diese Rollen habe ich immer aus einer Organisationsentwicklungsperspektive heraus interpretiert und gelebt.

Was sind die Themen der Zukunft?

Was uns aktuell beschäftigt, auch die Organisationen in Deutschland und wahrscheinlich auch anderswo, ist ein Bedürfnis nach einer Zunahme an Selbstverantwortung, Selbstorganisation und Dezentralität. Dass immer weniger zentral gesteuert werden kann, die Frage nach einer Ergänzung von hierarchischen Formen und einem gedeihlichen Miteinander in dieser Ergänzung mit dem Alten wird uns auf Jahre noch beschäftigen, weil es viele verschiedene Formen geben wird, weil jedes Unternehmen seinen Weg gehen muss und es kein „one size fits all" gibt.

Wir werden uns dauerhaft mit der Vielfalt auseinandersetzen müssen. Wir werden noch weniger rezepthafte und vorhersagbare Themen haben und uns ihnen in einer systemisch ausprobierenden Haltung nähern müssen. Die Einzigartigkeit jeder Organisation wird uns immer mehr vor Augen geführt. Und dem müssen wir uns stellen als Berater.

Was bedeutet das isb für Dich?

Das isb ist für mich ein Ort, eine Ver-Ortung, die über Wiesloch weit hinausgeht, so wie wir auch an anderen Standorten, München, Neustadt und vielen anderen Orten den isb Geist und die isb Kultur aufleben lassen. Es ist ein Ort, an dem Menschen eine Lernkultur entwickeln und nutzen, die ihnen hilft, schnell auf Wesentliches zu kommen. Es ist etwas zutiefst Menschliches, sich mit wesentlichen Themen zu begegnen, mit Tiefe und Ernsthaftigkeit. Das kann an unterschiedlichen Stellen, in unterschiedlichen Situationen gelingen und funktionieren, und ich glaube, da, wo es passiert, sind dann auch der Ort, der Geist und die Kultur des isb.

Ein großer Erfolg in deinem Leben ist der 2. Platz mit Eurem Alnatura Projekt beim Xing New Work Event NWX19? Nochmal Gratulation!

Das hat mich wirklich gefreut. Es fühlt sich tatsächlich wie Erfolg an, zu erleben, wie von den vielen Projekten, die man macht, ein Projekt, das sonst eher im Verborgenen bleibt, das sonst nur ein kleiner Kreis sieht, einen solchen Zuspruch bekommt, wenn man es an die Öffentlichkeit bringt als Bewerbung für einen solchen Award. Und gleichzeitig weiß ich natürlich auch, was wir alles nicht erreicht haben, wo wir unter unseren Träumen, Sehnsüchten und Möglichkeiten geblieben sind, auch in diesem Projekt, trotz allem Zuspruch. Erfolg bedeutet für mich, wenn ein Kunde sagt: Ich hab Lust, mit Dir zu arbeiten. Und wenn der Kunde dann wiederkommt und sagt: Ich möchte gern erneut mit Dir arbeiten. Das muss gar nicht groß sein, das kann auch was ganz Kleines sein.

Entwicklung ist ein Prozess und kein Event, vor allem im Zusammenhang mit Projektarchitekturen. Wir erleben immer wieder, dass Menschen denken, man könne mit Events, mit Aktionismus tatsächliche Entwicklung anstoßen und bewirken. Entwicklung passiert nicht punktuell, sondern braucht einen Prozess, eine Strecke.

Und der Xing Award? Die Elbphilharmonie als Veranstaltungsort klingt ja schon nach was Großem...

Die Elbphilharmonie ist ein unglaubliche imposanter Ort, der schon von der Architektur beeindruckt, , außen wie innen, der überwältigend ist an manchen Stellen. Diese Verleihung war im sogenannten „Kleinen Saal", der „nur" 500 Leute fasst, mit einer wellenartigen Holztäfelung aus rauhem, unbehandeltem Holz, bei der fast jeder, der dort hoch ging, mal eben mit der Hand vorbei strich.

Dieser Raum hatte etwas beeindruckend Haptisches und Natürliches. Das war toll! Und die Rückmeldungen auf meinen Gesichtsausdruck von dem Foto haben mich erstaunt, weil man mir offensichtlich genau ansieht, wie sehr ich mich freue und auch stolz darauf bin. Diesen Glücksmoment konnte man mir da wohl von der Mimik ablesen.

Was ist eines Deiner großen Lernfelder?

Ein großes Lernfeld ist für mich immer wieder, bei allen Ansprüchen, die es von außen gibt, denen man natürlich aus seinen jeweiligen Rollen, versucht, gerecht zu werden, auch zu schauen, wie man sich selbst treu bleiben kann. Das ist ein Lernfeld, das mich nie loslässt. Die Frage, wann bin ich wirklich mit mir im Reinen, wann ist es gut, mich selbst zu fordern, wann sollte ich aber auch milde sein mit mir? Wo ziehe ich eine Grenze, und wo erlaube ich, dass es ineinander fließt? Und was hier meine für mich jetzt gefundene Antwort ist, das spielt bei jeder Begegnung, bei jedem Kontakt, bei jedem Dialog mit.

Dein Lieblingsmodell vom isb?

Das Verantwortungsmodell halte ich für ganz wesentlich, weil es Menschen dazu befähigt, über Verantwortung im Guten sprechen zu können. Im Deutschen ist Verantwortung ein großes und sehr grundlegendes Wort, bei dem es dann fast immer um Rechtfertigen geht. Hier zu sehen, dass man das Thema auch in einer milden, weichen Art besprechbar machen kann, ist ein ganz zentrales Instrument. Auch, weil in dem Modell drin steckt, dass Verantwortung nicht allein eine Personeneigenschaft ist, sondern dass Personen- und Organisationsthemen zusammenwirken in der Art und Weise, wie Verantwortung gelebt wird. Und so bin ich direkt in der Systemwelt drin.
Ein zweites Modell ist das Perspektiven-Ereignis-Modell, das einfach hilft, Komplexität zu reduzieren und immer wieder zu differenzieren zwischen der geistigen Werte- und Themenebene und der Ebene, auf der das konkrete Leben spielt: Verhalten, Ereignisse, ganz konkrete Situationen. Hier die richtigen Verknüpfungen herzustellen, das ist Teil von Kultur- und Führungsarbeit, denn jedes Verhalten kann Beispiel für das eine oder das andere sein. Diese Welten zu verbinden und nicht im theoretischen oder geistigen Raum zu bleiben oder nur beim Verhalten, das ist die Kraft dieses Modells.

Ein Buch „für die Insel"?

Ein Buch, das mich nachhaltig beeinflusst hat in meiner professionellen Welt, ist von Steve de Shazer: „Worte waren ursprünglich Zauber". Auf den ersten 50 bis 70 Seiten zeichnet er eine philosophische, sehr radikale Haltung des Nicht-Überheblich-Seins und des Sich-nicht-zum-Experten-Aufschwingenden für die Probleme anderer Leute auf. Im zweiten Teil sind Transkriptionen von Therapie- und Beratungssitzungen - Lösungsorientierung in der schönsten Reinkultur. Es ist spannend, sich beim Lesen dabei zu beobachten, an welcher Stelle der Erzählung des Klienten man selber eingehakt hätte und dann zu lesen, wie Steve de Shazer damit umgeht, was er alles an Problembeschreibung laufen lässt, bis dann die kleine Ausnahme kommt, an der er einhakt und sagt: Das machen wir jetzt groß, damit arbeiten wir jetzt weiter. Das ist immer wieder inspirierend, weil es so konsequent und in seiner Konsequenz so beeindruckend ist. Auch sein lakonischer Umgang mit sich selbst, wenn er geniale Interventionen macht, auf die der Klient überhaupt nicht reagiert und er dann kommentiert: Na ja, dann war´s vielleicht doch nicht so genial, und sich selbst dabei nicht so ernst nimmt, andererseits „aus Versehen" etwas sagt, das dann große Wirkung entfaltet.

Wichtige Konstanten in Deinem Leben?

In meinem beruflichen Leben die letzten beinahe 18 Jahre ist Markus eine Konstante, weil wir viele berufliche Stationen gemeinsam durchlaufen haben. Meine Kinder, Familie... hier „Konstante" zu sagen, fällt mir schwer, gerade hier erlebe ich jeden Tag, wie sehr alles immer im Fluss ist. Gestern habe ich in die Teilnehmerrunde die Leitfrage: „Wie wohl fühle ich mich in meinen Veränderungsprozessen?" gestellt. Damit ist gleich klar: Wir sind immer in Veränderung. Denn wer würde von sich je sagen: Ich stehe still, alles bleibt gleich? Das Leben ist im Fluss, und die Zeit schreitet voran. So richtige Konstanten gibt es einfach nicht.

Ich danke Dir sehr für dieses Gespräch.

 
 

Stöbern bei Jaakko Johannsen

"Agilität und Komplexität"

Impulsvortrag auf dem Symposium isb Nord 2017 in Hamburg: Jaakko Johannsen gibt Leitgedanken zu Agilität und Komplexität. Mit dem Cynefin-Modell, Agilen Prinzipien (nach Svenja Hofert) und dem Perspektiven-Ereignis-Modell erläutert er, wie man die Konzepte und Ideen implementieren kann.

https://www.youtube.com/watch?v=ybKX61U0laY

2. Platz beim großen Xing Event NWX19

in der Elbphilharmonie am 7. März 2019: Mit dem Projekt: "Selbstorganisation und eigenverantwortliches Arbeiten im Bio-Einzelhandel?"

Zum Projekt entstand dieses Video:

https://www.youtube.com/watch?v=0eSZ3NfAERM