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"Es ist alles gesagt worden, was zu sagen war"
Abschied nach 30 Jahren Intervisionsgruppe – eine Würdigung

28. Februar 2024 – von Jutta Werbelow

Vier Männer, eine Frau – die erste Intervisionsgruppe. Die ersten Master. Nach beinahe 30 Jahren ist im Herbst nun für alle fünf der passende Zeitpunkt gekommen, aufzuhören: "Wir haben alles gesagt, was zu sagen ist. Jetzt ist gut. Es war wunderschön und mit die wichtigste Zeit in unserem Leben."

Ein paar Wochen nach ihrem Abschiedstreffen verabreden wir uns noch einmal via Zoom. Ein wunderbares Gespräch über Vertrauen, bedingungslose Offenheit, das Drei-Welten-Modell als "Sortierelement" und die Erfolgsfaktoren ihrer Peergroup.

Berater-Ausbildung und die erste Mastergruppe des isb

Ihre Ausbildung am isb bei Bernd Schmid machten sie zwischen 1992 und 1996 gemeinsam: Wolfgang "Scholli" Scholl (der "Alterspräsident"), Peter Kern, Gert Mamber, Burkhard Kowalski und Renate Steinbrück (†). Sie waren auch die ersten, die den isb Master gemacht haben.

"Das war ein bisschen ein Versuchsstadium in der typischen Art und Weise, wie Bernd das so macht: im Zusammenspiel mit der Gruppe, anstatt nur vorzugeben. Was passierte, kam aus der Gruppe heraus. Und das war offensichtlich so gut, dass sich dieses Format bis heute bewährt hat und vor allem, dass wir als Gruppe uns gefunden und bis zu diesem Jahr weitergemacht haben. Es sind fast 30 Jahre geworden."

Schon während der gemeinsamen Ausbildung wurde deutlich, "wie nützlich es ist und wie gut es tut, in einer Gruppe, die ich mag, über meine Themen zu reden. Das hat uns damals schon zusammengefügt", die vier Männer und eine Frau, "die uns Jungs dann zur Ordnung gerufen hat. Das war ein sehr hilfreiches Korrektiv!"

Nach dem Tod von Renate Steinbrück Anfang der 2000er Jahre und während Burkhards vier Auslandsjahren blieb die Gruppe zusammen. Claudia Main kam dazu ("Sie hat, wie ein fehlendes Puzzleteil, sofort gepasst. Es war gut und unverzichtbar, dass wieder die weibliche Perspektive mit reinkam."), Burkhard kam zurück.

Getroffen haben sie sich dreimal im Jahr, zunächst in ihren jeweiligen Organisationen, später dann auf Einladung Bernds am isb. "Das war ein bisschen back to the roots. Zurück an unseren Ort der Kultur, dorthin, wo der Geist weht. Das hat sicher Einfluss darauf gehabt, wie wir miteinander umgegangen sind.

"Wir haben über viele Jahre sehr lustvoll mit der Methodik weitergearbeitet. Das Drei-Welten-Modell war für uns wichtiges "Sortierelement". Unser isb Wissen war so verinnerlicht, dass wir darüber nicht mehr groß gesprochen haben. Dabei ist ein großer Wert entstanden. Und das Wissen ging eben nicht verloren."

Ankommen, Butterbrezeln, Kaffee, Erzählen über sich und was jeweils besprochen werden soll. Dann Mittagessen in immer derselben Kneipe und nach der Pause die Bearbeitung all der Themen in gewünschten Strukturen, sei es Interview und Feedback oder einfach nur Resonanz. "Bernd kam immer wieder mal eine Stunde vorbei, dann Arbeiten... das war Heimat, geistige, seelische. Und das hat uns alle recht schnell arbeitsfähig gemacht. Es war immer so, als hätten wir uns gestern erst gesehen."

"Disziplin war selbstverständlich, Wir hatten ein Flipchart mit Themen und auch eine Zeitstruktur. Die Würdigung der Anliegen war wesentlich. Und wir haben immer darauf geachtet, dass es nicht zu einem allgemeinen Gespräch verwässert."

Im Erzählen kommt eine ganze Liste an Erfolgsfaktoren für die Beständigkeit der Intervisionsgruppe zusammen:

 

  • Vertrauen, persönliche Nähe, Offenheit und Aufrichtigkeit
  • Andere Fragen andere Sichtweisen
  • Ehrliche Antworten
  • Reflexion und konstruktive (Selbst-)Kritik
  • Humor
  • Bernds Spirit und der des isb
  • Hochprofessionelles Verhalten
  • Heterogenität, menschlich wie auch professionell und die Bereitschaft zur Reibung.
  • Uneingeschränkte Offenheit
  • Respektvolle Art des Umgangs
  • Kultur des Wertschätzens
  • Kritisch-professionelle Bestätigung


"Unser großes Vertrauensverhältnis war das Fundament. Ich hab an anderen Stellen so oft erlebt, wie etwas gescheitert ist, weil sich das Team nicht öffnen konnte. Das war bei uns in der Gruppe so besonders. Vertrauen ist die Voraussetzung, dass das gelingen kann."

Das Ende der Gruppe ist bewusst und reflektiert gemeinsam entschieden worden. Es herrscht Konsens darüber, dass "alles gesagt worden ist, was zu sagen war". Der Ausstieg aller aus dem Berufsleben hat auch zu dieser Entscheidung beigetragen: "Denn die Teilnahme am professionellen Leben trägt schon ein Stück weit dazu bei, dass die Gruppe erfolgreich ist."

Wir vom isb sagen DANKE für Eure

- vorbildliche Peergroup-Arbeit über 30 Jahre
- Verinnerlichung, Weiterentwicklung und Weitergabe all dessen, was Ihr hier am isb gelernt und erlebt habt
- Verbundenheit und Freundschaft!

Ja, Ihr seid ein Stück unseres Lebens hier am isb gewesen, und es war eine Bereicherung, mit Euch zu sein. Allen Segen für die weiteren Wege wünschen Euch

Bernd Schmid, Thorsten Veith und das ganze Team vom isb