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Resonanz

Lunch-Talks und  Berufsjubiläum 40+


Nicht immer habe ich ein eigenes Stichwort für einen neuen Blog. Die Menschen um mich herum schätzen aber oft, was mir einfällt, wenn sie mich zu einem Thema befragen, meist nebenbei z.B. beim gemeinsamen Mittagessen. Gerne erweitere ich unseren Lunch-Table virtuell um Blog-Leser, die sich für meine Meinung zu einem Thema interessieren. Bitte Zuruf unter schmid@isb-w.eu.

Zum Berufsjubiläum 40plus im Dezember durfte ich vieles darüber erfahren, welche Resonanzen ich in Menschen meines Umfelds ausgelöst habe. Erfüllend wiederum für mich! Danke!

An wem das im Weihnachtstrubel vorbeigegegangen ist, sich aber noch interessiert: http://www.bernd-schmid.com/


Blog 139: Resonanz

Ein Archiv mit weiteren Blogbeiträgen von Bernd Schmid finden Sie hier.

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Ihr Ansprechpartner
Bernd Schmid

Viele Menschen scheinen Resonanz zu vermissen. Bücher wie z.B. Resonanz (Hartmut Rosa)[1] oder Herztöne (Martin Schleske)[2] werden begeistert empfohlen. Ein Zeichen dafür, wie verbreitet die Sehnsucht nach Resonanz ist? Stimmt es, dass viele das Gefühl haben, dass ihre Welten und ihre Beziehungen nicht genug zu ihrer Seele sprechen?

Der Begriff Resonanz trifft Gedanken und Empfindungen, denen die meisten schon öfter begegnet sind und zu denen es viele Beschreibungen gibt. Der Jungianer Peter Schellenbaum z.B. hat in den 1980er Jahren Dingbilder und Wirkbilder unterschieden[3]. Dingbilder sprechen nicht wirklich zu unserem Innersten, bleiben banal, auch wenn sie etwas zeigen, was uns eigentlich berühren müsste. Wirkbilder berühren uns, bereiten Erfahrungen, die am Ende des Tages bleiben, selbst wenn sie etwas eigentlich Unscheinbares zeigen.

Bei Resonanz geht es um mehr als um Empathie oder Authentizität. Es geht darum, dass im Kontakt mit der Welt Schwingungen entstehen. Ich erlebe, dass vieles in mir anspricht, dass ich in anderen etwas zum Schwingen bringen kann, Resonanz eben. Dadurch werden wir wichtig für einander. Nicht immer sofort, aber dann doch, weil es einen nicht loslässt, eine äußere und/oder innere Bewegung von einem verlangt.

Es geht um mehr als um Hier und Jetzt. Wenn Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges, wenn eigenes und anderes miteinander in Schwingung geraten, entstehen Lebensgeschichten und Gemeinschaften. Nicht präsent zu sein, kann als Leere empfunden werden, manchmal mit Supersound und Dynamik übertönt. Nur gegenwärtig sein ohne Schwingung mit der Geschichte, dem Umfeld oder einer Zukunft, kann Entwurzelung und verklärte Öde bedeuten. Was miteinander schwingt, verbindet sich miteinander.

Resonanz kann durch die Beziehung zu einem Thema, zu einer Sache genau so entstehen wie zu anderen Menschen[4]. Dabei geht es nicht nur um Mitgefühl oder Verstehen, sondern auch um Widerspruch, um das Erzeugen von Dissonanzen. Es geht nicht nur um Anschauung, sondern auch um Bewirken. Jeder muss dabei finden, was ihn berühren kann, seine „Resonanzachsen“ erkennen und pflegen.

Es sei heute paradox: Die meisten Menschen ringen um Resonanz, indem sie ständig ihre Möglichkeiten in der Welt erweitern: mehr interessante Themen, mehr Beziehungen, mehr Sichtbarkeit, mehr Einfluss, mehr verfügbare Mittel, mehr Fitness, mehr Genuss. Wachstum ohne Maß?! Und je mehr sie davon Beschlag genommen sind, umso weniger merken sie, wenn das Verfügbare oder Mögliche zwar wächst, die Resonanzen aber verstummen. Dann versuchen sie es mit  „noch mehr“ und verarmen genau daran. Dabei weiß man ja: Weniger kann mehr sein – weniger Anhäufung von Möglichkeiten, dafür mehr Erfüllung durch Resonanz.

Resonanz: Kein neues Thema, doch in neuer Sprache wieder belebt, erzeugt es neue Resonanz, zumindest in mir. Jeder sollte seine Grundhaltungen im Umgang mit der Welt studieren. Ob wir eine erfüllende Beziehung zur Welt haben, hängt mehr von unserer Resonanzkultur ab als von unseren „Verfügungsmöglichkeiten“. Jeder hat seinen Stil entwickelt, bezüglich Glück und Unglück, Ängstlichkeit oder Zuversicht, Vertrauen oder Argwohn. Die gebildeten Gewohnheiten prägen unser Erleben recht unabhängig von objektiven Gegebenheiten.  Wer zu Missmut neigt, tut dies auf jedem Niveau, wer froh sein kann, dem gelingt dies auch unter widrigen Umständen, von Extremsituationen mal abgesehen. Also lohnt bei aller Weltzugewandtheit, für die ich immer plädiere, den eigenen Stil dabei zu studieren. Der eigene Wirklichkeitsstil ist einer der Universal-Schlüssel, wenn man verstehen will, in welcher Welt man lebt und mit welcher man schwingt.

Kommentare

Von: Bernd Schmid

Liebe BlogleserInnen!

Durch Zuschriften wurde ein mögliches Missverständnis deutlich:

Teilnahme am virtuellen "lunch-table" meint, mir Fragestellungen zu schreiben, auf die ich dann in Blogs Bezug nehme.

Das bekommen dann alle.

herzlich Bernd Schmid

Von: Birgit Minor

Lieber Bernd,

besonders der Satz  "Ob wir eine erfüllende Beziehung zur Welt haben, hängt mehr von unserer Resonanzkultur ab als von unseren ?Verfügungsmöglichkeiten? hat mich angesprochen. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mit Randerscheinungen in starke Resonanz gehen und sie dadurch zu Hauptmerkmalen machen und deren Bedeutung überhöhen. Dadurch geht der Blick und die Resonanzfähigkeit in die "wirklich" bedeutsamen Dinge verloren. Auf diesen Nebenschauplätzen kann man jedoch keinen Pokal gewinnen... nur kostbare Energie verschwenden.

Liebe Grüße,
Birgit

Von: Günther Mohr

Interessant ist bei der Resonanz, dass es nicht um die so oft beschworene Unterscheidung zwischen Körper und Gefühl ("Bauch") auf der einen sowie Denken ("Kopf") auf der anderen Seite geht. Die "Sollbruchstelle" scheint zwischen der Seele und dem Körper-Gefühls-Denken-System zu bestehen. Oft passt das angebotene, entwickelte oder konditionierte Körper-Gefühls-Denken-System nicht zum Seelenweg eines Menschen. Wenn Du als Künstler in eine Finanzbeamtenfamilie geboren wirst, hast Du es schwer, umgekehrt genauso.

Mir ist klar, dass man damit die klassische psychologische Perspektive verlässt. Denn wie erfasst man den Seelenweg? Hier ist die Psychologie noch recht blank. C.G. Jung hatte schon darauf hingewiesen, dass jede gute Psychotherapie auch das über die Psychologie hinausgehende metaphysische oder spirituelle Element enthalte.

Von: Eberhard Hauser

Lieber Bernd,
dieser Blog hat in mir ohne jeden Zweifel Wirkbilder hinterlassen - vielen Dank für das Erinnern an den großartigen Peter Schellenbaum, der mir vor mehr als 30 Jahren mit seinem "Nein in der Liebe" die Tür zu meiner jahrzehntelangen Partnerschaft ermöglichte.
Mein Wort für das Erleben von Resonanz und Dialog mit dem inneren Ich (oder mit dem, was du "Seele" nennst) lautet 'Selbstübereinstimmung'. Ein Wort, das im Duden nicht zu finden ist, das aber für mein Empfinden treffend und selbsterklärend diesen Zustand von Resonanz beschreibt.

Von: Michael Loebbert

Als Berater nutze ich Konzepte  "Übertragung" (psychodynamisch) und "Spiegelung" (neuropsychologisch) für die Erweiterung meiner Wahnehmung und damit auch meiner Handlungsmöglichkeiten in sozialen Systemen. Und leicht verschwimmen die sonst gebrauchten Alltagskonzepte von "Individuen" und "Organisationen" mit ihren Grenzen, da Übertragung und Spiegelung ja dauernd und wechselseitig stattfinden. Der Handlungskontext "Beraten" genauso wie "Kunst" oder "Erziehung" gibt den Rahmen und begrenzt auch eine sinnvolle Diskussion darüber. Sonst erlebe ich eher so etwas wie "großen Brei" :-) ähnlich wie Birgit Minor oben. Hartmut Rosa erwähnt zwar immer auch Handlungskontexte, stellt diese aber aus meiner Sicht nicht in einen systematischen Zusammenhang. Das finde ich eine gewisse Schwäche von Rosas "Resonanz". In der Abgrenzung von Vorstellungen der "Verfügungsmöglichkeit" wie Bernd schreibt verstehe ich allerdings seine Leistungsfähigkeit und die Erinnerung von "Resonanz" an die Unverfügbarkeit von Beziehungen überhaupt. Danke für den Hinweis.

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